15 juin 2008

philosophie für frau postic

mal wieder was aus einem buch: alain de botton's "trost der philosophie". auszüge aus dem kapitel:

"TROST BEI GEBROCHENEM HERZEN"

schopenhauer1

"1788 - Arthur Schopehauer wird in Danzig geboren. In späteren Jahren denkt er mt Bedauern auf dieses Ereignis zurück: 'Man kann unser Leben auffassen als eine unnützerweise störende Episode in de säligen Ruhe des Nichts.' An anderer Stelle heisst es, 'dass das menschliche Daseyn eine Art Verwirrung seyn müsse...", ein Zustand, von dem sich sagen lässt: 'Es ist heute schlecht und wird nun täglich schlechter werden, - bis das Schlimmste kommt.'

... (die Eltern) interessieren sich nur wenig für ihren Sohn, der einmal einer der grössten Pessimisten der Geschichte der Philosophie werden sollte. 'Schon als sechsjähriges Kind fanden mich die vom Spaziergang heimkehrenden Aeltern eines Abends in der vollsten Verzeiflung.' Nach dem offensichtlichen Selbstmord des Vaters (...) bleibt der siebzehnjährige Schopenhauer mit einem Vermögen zurück, dessen Grösse die Gewähr bietet, dass er nie wird arbeiten müssen. Der Gedanke hat für ihn nichts Tröstliches. Später wird er sich erinnern: 'In meinem 17ten Jahre, ohne alle gelehrte Schulbildung, wurde ich vom Jammer des Lebens so ergriffen, wie Buddha in seiner Jugend, als er Krankheit, Alter, Schmerz und Tod erblickte. Die Wahrheit ... war, dass diese Welt kein Werk eines allgütigen Wesens seyn könnte, wohl aber das eines Teufels, der Geschöpfe ins Daseyn gerufen, um am Anblick ihrer Qual sich zu zu weiden: darauf deuteten die Data, und der Glaube, dass es so sey, gewann die Oberhand.'

(Das Reisen ändert daran nichts.) Er besucht die Stadt Nîmes, in die rund 1800 Jahre zuvor schon römische Baumeister (...) Wasser geleitet hatten, damit die Bürger der Stadt jederzeit baden konnten. Schopenhauer beeindruckt nicht, was er von den Ruinen der römischen Bauwerke sieht. 'Diese Spuren führen Bald den Gedanken an die Tausende längst verweste Menschen herbey.'

(Er studiert une beschliesst, Philosoph zu werden.) 'Das Leben ist eine missliche Sache, ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken.' Bei einem Ausflug aufs Land schlägt ein Freund ihm vor, doch zu versuchen, ob sie nicht die Bekanntschaft von Frauen machen könnten. Schopenhauer vereitelt das Vorhaben mit den Worten, das Leben sei 'so kurz, fragwürdig und vergänglich, dass es sich nicht lohnt, grosse Anstalten zu treffen.'

(In Weimar ist seine Mutter mit Goethe befreundet. Dieser berichtet:) 'Der junge Schopenhauer hat sich mir als einen merkwürdigen und interessanten jungen Mann dargestellt.' Schopenhauers Gefühle für den Dichter werden nie so recht erwiedert. Als der Philosoph Weimar verlässt, schreibt Goethe ein Couplet für ihn.

'Willst Du Dich Deines Wertes freuen,
So musst der Welt Du Wert verleihen."

(In Dresden hat er kaum Freunde,) und schraubt seine Erwartungen herunter, wenn er sich auf ein Gespräch einlässt 'Ich rede bisweilen mit Menschen so wie das Kind mit seiner Puppe redet: es weiss zwar, dass die Puppe es nicht versteht; schafft sich aber, durch eine angenheme wissentliche selbsttäuschung, die Freude der Mittheilung.' (...) Er beendet 'Die Welt als Wille und Vorstellung', von dem er weiss, dass es sich um ein Meisterwerk handelt. Es erklährt, warum es ihm an Freunden mangelt. 'Ein Mann von Genie kann schwerlich gesellig seyn. Denn welche Dialoge sollten wohl so geistreich und unterhaltend seyn, als seine Monologen?'

Er besucht Florenz, Rom, Neapel und Venedig und lernt bei Empfängen eine Reie attraktiver Frauen kennen. 'Und was die Weiber betrifft, so war ich diesen sehr gewogen - hätten sie mich nur haben wollen.' Die Ablehnung trägt dazu bei, dass er zu der Ansicht gelangt: ' Das niedrig gewachsene, schmalschultige, breithüftige und kurzbeinige Geschlecht das schöne nennen, konnte nur der vom Geschlechtstrieb umnebelte männliche Intellekt.'

'Ist doch jede Lebensgeschichte eine Leidensgeschichte!"

'Wenn ich doch nur die Illusion los werden könnte, das Kröten- und Ottern-Gezücht für meines Gleichen anzusehen, da wäre mir viel geholfen.'

In einem Brief bekennt er sich wehmütig zu dem Wunsch, 'eine Stelle in der bürgerlichen Gesellschaft' zu haben, der sich freilich nie erfüllen wird. 'Wenn ein Gott diese Welt gemacht hat, so möchte ich nicht der Gott seyn: ihr Jammer würde mir das Herz zerreissen.' Zum Gück kann er sich in dunkleren Stunden auf ein beruhigendes Selbstwertgefühl stützen. 'Wie oft muss ich ... erfahren, dass mein Geist in Angelegenheiten des altäglichen Lebens ... das ist, was ein Teleskop im Opernhause, oder eine Kanone auf der Hasenjagd.'

Seine innigsten Beziehungen hat er nun zu einer Reihe von Pudeln, an denen er eine Freundlichkeit und Demut zu erkennen glaubt, die Menschen vermissen lassen. 'Der Anblick jenes Thiers erfreut mich unmmittelbar, und mir geht dabei das Herz auf.' Er überhäuft diese Pudel mit Liebe, siezt sie und ergreift lebhaft Partei für das Wohl von Tieren. 'Seinen treuesten Freund, den so intelligenten Hund, legt (der Mensch) an die Kette! ...'mit Befriedigung denke ich an an den vor einigen Jahren von der Times berichteten Fall, dass ein Lord, der einen grossen Kettenhund hielt, einst, seinen Hof durchschreitend, sich beigehn liess, den Hund liebkosen zu wollen, worauf dieser sogleich ihm den Arm von oben bis unten aufriss, - mit Recht! er wollte damit sagen: Du bist nicht meyn Herr, sondern mein Teufel, der mir mein kurzes Daseyn zur Hölle macht. Möge es jedem so gehen, der Hunde ankettet.'

(Einen seiner Pudel nennt er Atma, nach der Weltseele der Brahmanen.) Überhaupt fühlt er sich hingezogen zu den östlichen Religionen, insbesondere zum Brahmanismus, der Lehre der 'Buddhaisten ..., des edelsten und ältesten Volkes.' In den Upanischaden liest er jeden Abend ein paar Seiten. Als die Putzfrau einmal seine Anweisung, den Buddha in seinem Arbeitszimmer nicht abzustauben, missachtet, droht er, sie zu entlassen.

Er gewöhnt sich an, tagsüber längere Zeit zu schlafen: 'Wäre Leben und Daseyn ein erfreulicher Zustand, so würde jeder ungern dem bewusstlosen Zustand des Schlafs entgegen gehn und gerne von ihm wieder aufstehn. Aber es ist gerade umgekehrt: Jeder geht sehr gerne schlafen und steht ungern wieder auf.'

Er veröffentlicht die zweite, auf zwei Bände erweiterte Ausgabe von 'Die Welt als Wille und Vorstellung'. (...) Das Werk verkauft sich keine dreihundert Mal. 'Da unser grösstes Vergnügen darin besteht, bewundert zu werden, die Bewunderer aber, selbst wo alle Ursache wäre, sich ungern dazu herbeilassen; so ist der Glücklichste der, welcher, gleichviel wie, es dahin gebracht hat, sich selbst aufrichtig zu bewundern.'

(Sein Buch 'Parerga und Paralipomea' wird ein Beststeller.) Sein Ruhm ('die Komödie des Ruhmes', wie er es nennt) verbreitet sich in ganz Europa. (...) Er erhält Fanpost. (...) Nachdem man ein langes Leben in Bedeutungslosigkeit und Missachtung hingebracht hat, kommen sie nun mit Pauken und Trompeten und meinen, das sei etwas, soll Schopenhauer hierauf erwiedert haben, eine gewisse Genugtuung bereitet ihm die späte Anerkennung aber doch. 'Hätte wohl irgend ein grosser Geist sein Ziel erreichen und ein dauerhaftes Werk schaffen können, wenn er das hüpfende Irrlicht der öffentlichen Meinung, d. h. der Meinung kleiner Geister, zu seinem Leitstern genommen hätte?"

Philosophisch angehauchte Frankfurter schaffen sich ihm zu Ehren Pudel an."

(Fortsetzung folgt:)


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