23 octobre 2008

nachtarg (3 monate später)

nachträglich möchte ich alles was meinerseits bezüglich misanthropie gesagt wurde widerrufen und feststellen: ich bin doch misanthropin, ich hasse die menschen und hasse mich selbst, weil ich ein mensch bin. wenn ich für jemanden zuneigung empfinde, bewundere ich gleichzeitig ihre fähigkeit, mensch und DOCH liebenswürdig zu sein. das spricht für sich.

manchmal habe ich auch mitleid mit ihnen. mitleid mit mir selbst. nur leider nicht oft genug. das wäre doch die lösung, buddha's weg noch dazu: COMPASSION. nur um mit zu fühlen muss man erst einmal lieben. und das ist schwer wenn man hasst.

die meiste zeit bin ich wütend, kann meiner wut keine luft machen und bin frustriert. mehr als frustriert, unfähig gemacht, tiefst schockiert über mein eigenes versagen. meine schwäche, meine dummheit, meine laschheit, meinen trägen, hässlichen körper. v.a. meinen körper der mir das leben schwer macht. der mich einsperrt, mich im glaskasten ausstellt. alle sehen MICH, weil ich das nach aussen trage, was ich fühle. und ich fühle mich hässlich, fühle mich alt. ich, die vorhatte zu leben. vielleicht sollte ich endlich mal damit anfangen.

wieder diese einstellung. wie beim diät-machen. (kennt frau postic nicht aber ist für mich ein sehr treffender vergleich.) ich nehme mich also alles erdenklich gute vor und überzeuge mich selber reichlich davon, dass es diesmal klappen wird. ich setzte alles in gang, um mein ziel zu erreichen. dann fange ich an und merke bald, dass es doch nicht das was, was ich wollte. dass ich wieder auf falsche werte gesetzt habe. mich wieder falsch eingeschätzt. zu feige, einen rückzieher zu machen, "ziehe ich es jetzt halt einfach durch", bringe es hinter mich (super!), lebe wieder nur für das, was kommen wird. die gegenwart wird zum traum, so dahin gelebt. nicht real, weil das herz sich nicht niederlässt, immer ganz wo anders ist.

die welt um uns ist wie ein spiegel...

...dem spiegel kann man nie entkommen.

wie beim diät machen halt. da ist's auch so, wenn man's einmal versaut hat (fressanfall), kann man's gleich bleiben lassen. ist ja eh alles egal jetzt. nur noch "durchziehen" (en gros: sich gehen lassen) bis zum NÄCHSTEN neuanfang, wo ich mir dann wieder alles schön vornehme und schön drann glaube, dass es DIESMAL klappen wird. sehr gescheit.

ich lese jetzt übrigens anaïs nin, die tagebücher. musste ja doch mal, nachdem ich henry miller dort in einer mischung aus verachtung und faszination verschlungen hatte. hat mich zum schreiben animiert damals (?), tut's jetzt wieder mit seinem porzellan prinzesschen. so kommt sie mir ein wenig vor. sie nervt mich weniger als miller, aber sie schreibt auch weniger gut. und sie ist, HACH, so zart und so gütig. hat sie nicht davon abgehalten, wie eine wahnsinnige zu schreiben. obwohl sie völlig anders ist als ich.. scheint sie doch auch dieses problem zu haben: immer alles in frage stellen zu müssen. nie einfach drauf los leben zu können (was sie an henry bewunderte), so "vergeistigt" und ohne selbstvertrauen, wie sie sagt. auch wenn alle, die im buch vorkommen, sie wie eine göttin anhimmeln. egal, sie hat gelebt - und sie hat geschrieben! (die frage ist nur: was mehr?) und es waren ja auch noch ganz andere zeiten damals...


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